Ein genauer Blick in die Liga – Teil 2: Göppingen, Stuttgart, Lemgo und Hannover

Ein genauer Blick in die Liga – Teil 2: Göppingen, Stuttgart, Lemgo und Hannover

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  • Beitrag veröffentlicht:10. Januar 2021
  • Lesedauer:6 min Lesezeit

Die HBL befindet sich in der WM-Pause, beste Zeit also einen genauen Blick auf alle Teams der Liga zu werfen. Der Reihe nach werden hier alle 20 Teams anhand der wichtigsten „Advanced Stats“ betrachtet und analysiert. Den Anfang machte das obere Mittelfeld der Tabelle mit dem SC Magdeburg, dem SC DHfK Leipzig, der HSG Wetzlar sowie dem Bergischen HC. Nun geht es weiter mit FRISCH AUF! Göppingen, dem TBV Stuttgart, dem TVB Lemgo Lippe sowie dem TSV Hannover-Burgdorf.

FRISCH AUF! Göppingen

Die ordentliche Saison der Schwaben spiegelt sich auch in den Zahlen wider. Zwar sieht Platz 15 beim Defensive Rating auf den ersten Blick nicht wirklich gut aus. Doch die 27,9 Gegentore pro 50 Angriffe sind nur leicht unter dem Ligaschnitt von 27,1. Einige Teams kommen auf nur minimal bessere Werte. Gleichzeitig ist der Abstand zu den Teams mit den schlechtesten fünf Defensiven (was auch gleichzeitig die fünf Teams am Tabellenende sind) etwas größer. Insgesamt liegt die Liga bei der Qualität der Verteidigung auch deutlich näher zusammen als beim Angriff.

Trotzdem läuft es am Hohenstaufen in der Verteidigung natürlich nicht optimal. Einer der Gründe dafür sind die viertmeisten Zeitstrafen unter allen Mannschaften in der HBL. Ein noch größeres Problem ist die gegnerische Wurfquote. Mit 63,9 % ist diese fast so schlecht wie die blauen Trikots. Nur vier Teams lassen eine noch höhere Wurfquote zu.

Der Angriff ist leicht überdurchschnittlich mit einem Offensive Rating von 27,9 Toren pro 50 Angriffen. Wichtige Bestandteile des Angriffs sind die Scorer Marcel Schiller, der mit 6,4 Toren pro Spiel der sechstbeste Torschütze der HBL ist und Sebastian Heymann, der neuntbeste Feldtorschütze (4,3) der Liga.  Besonders auffällig und wichtig ist auch Kresimir Kozina. Der Kroate führt die Liga bei den herausgeholten Siebenmetern mit 2,6 pro Spiel klar an.

Insgesamt hat sogar kein anderes HBL-Team einen so hohen Anteil an Siebenmetern an allen Würfen wie FRISCH AUF!. Problematisch ist dabei allerdings, dass 16 Teams eine bessere Trefferquote bei den Siebenmetern haben. Die Siebenmeterwurfquote Marcel Schiller ist sogar die schlechteste der HBL unter allen Spielern mit mehr als drei Siebenmetern pro Spiel.

TVB Stuttgart

Nach dem starken Saisonstart ist der TVB Stuttgart wieder im Mittelfeld der Tabelle angekommen. Ihre Zahlen prognostizierten dies bereits als sie noch weiter oben standen. Bei dem Team aus der Stuttgarter Umgebung ist, wie bei ihren Nachbarn aus Göppingen, keine besondere Stärke in Angriff oder Abwehr zu erkennen. Im Angriff liegen sie mit 27,1 Toren pro 50 Angriffe genau auf dem Ligaschnitt. Defensiv sind sie mit 27,6 Gegentoren pro 50 Angriffe leicht unter dem HBL-Durchschnitt.

Doch bei den Details gibt es einiges was bei den Bittenfeldern auffällt. Sie sind sowohl das Team das am zweitmeisten Angriffe pro Spiel hat (52,0) und auch am zweitöftesten den Torhüter pro 50 Angriffe auswechselt (7,5). Da sie bei der Anzahl der Zeitstrafen nur zum Durchschnitt gehören, ist dies ein klarer Indikator dafür, dass Jürgen Schweikardt gerne mal den siebten Feldspieler einwechselt.

Bei der Verteilung der Würfe fällt auch direkt auf, dass kein anderes Team einen so hohen Anteil an Würfen aus neun Metern hat. Auch in den vergangenen Jahren war dies ähnlich. Dies ist natürlich problematisch, da dies der ineffizienteste Wurf im Handball ist. Bei den deutlich effizienteren Würfen aus sechs Metern, Gegenstöße und Siebenmetern sind die Anteile mit die niedrigsten der Liga. Die gesamte Wurfquote des TVB von 59,5 % liegt deshalb auch nur auf Platz 14. Obwohl sie mit Viggo Kristjansson den besten Torschützen der Liga (7,0) Tore pro Spiel und besten Siebenmeterwerfer mit über 2,5 Versuchen pro Spiel (88,6 %) in ihren Reihen haben.

Kleinere Probleme in der Defensive gibt es bei den erzwungenen Ballverlusten. Nur vier Teams haben hier einen schwächeren Wert. Ordentlich läuft es hingegen bei den zugelassenen zweiten Wurfchancen. Hier liegt der TVB auf Platz 6. Die gegnerische Wurfquote (61,7) der Bittenfelder liegt auf Platz 11 der Liga.

TBV Lemgo Lippe

Der TBV Lemgo Lippe spielt eine ordentliche, sehr durchschnittliche Saison. In der Defensive befinden sie sich mit einem Defensive Rating von 27,1 Toren pro 50 Ballbesitze genau auf dem Ligadurchschnitt. Hier kommt es ihnen auf jeden Fall zugute, das sie gemeinsam mit der SG Flensburg-Handewitt das Team mit den wenigsten Zeitstrafen pro 50 Ballbesitze sind.

Besonders wichtig für die Defensive sind natürlich auch die Guardiola-Brüder. Gedeon führt die HBL bei den Blocks (1,4 pro Spiel) an, Isaias bei den Steals (0,8 pro Spiel). Insgesamt erzwingen sie sogar am viertmeisten gegnerische Ballverluste. Dazu lassen sie am viertwenigsten zweite Wurfchancen der Gegner zu.

Trotzdem stellen elf Teams eine bessere Verteidigung. Der Hauptgrund dafür: Das Team aus dem Lipperland lässt die mit 64,7 % höchste gegnerische Wurfquote zu. Während die Abwehr an sich funktioniert, können sie mit den Torhüterleistungen überhaupt nicht zufrieden sein. Peter Johannesson kann nicht annähernd an seine starke Vorsaison anknüpfen. Seine Paradenquote liegt mit 22,9 % über zehn Prozentpunkte unter dem Vorjahr. Mark van den Beucken kommt sogar nur auf 19,3 %.

Im Angriff läuft es etwas schlechter als in der Verteidigung. Das Offensive Rating von 26,2 Toren pro 50 Ballbesitze liegt um 0,9 unter dem Ligaschnitt. Und das, obwohl sie mit Bjarki Mar Elisson den besten drittbesten Torschützen pro Spiel (6,7) sowie drittbesten Feldtorschützen pro Spiel (5,0) in ihren Reihen haben. Gleichzeitig stehen jedoch auch die Spieler mit der sechstschlechtesten sowie der achtschlechtesten Wurfquote unter allen Spielern mit mehr als drei Würfen pro Spiel im Team des TBV: Jonathan Carlsbogard trifft lediglich 44,4 % seiner Würfe, Isaias Guardiola 45,3 %.

TSV Hannover-Burgdorf

Der TSV Hannover-Burgdorf spielt eine ordentliche, aber natürlich deutlich schwächere Saison als im Vorjahr. Nach den Abgängen war es zu erwarten, dass der Erfolg aus dem Vorjahr nicht wiederholt werden kann und sie sich wieder im Mittelfeld einreihen. Genau dies ist der Fall, durchschnittlicher als die Recken ist kein anderes Team der Liga. Im Angriff sind sie mit einem Offensive Rating von 27,0 Toren pro 50 Angriffen um lediglich 0,1 unter dem Durchschnitt der HBL. In der Verteidigung sind ebenfalls 27,0 Gegentore entsprechend 0,1 besser als der Durchschnitt.

Auch bei allen Faktoren für die Angriffsqualität sind sie absolut durchschnittlich. Besonders bei der Wurfquote ist dies interessant. Denn betrachtet man diese nach den einzelnen Positionen, dann ist sie hier jeweils deutlich unterdurchschnittlich. Doch es kommt dem Team von Antonio Carlos Ortega hier zugute, dass sie einen vergleichsweise geringen Anteil an dem insgesamt ineffizientesten Wurf, dem Rückraumwurf, haben.

Am anderen Ende des Spielfelds ist die gegnerische Wurfquote mit 61,4 % ebenfalls praktisch exakt auf dem HBL-Durchschnitt. Nicht durchschnittlich sind jedoch die anderen beiden Faktoren für die Qualität der Defensive. Bei den erzwungenen Ballverlusten sind sie das fünftbeste Team der Liga. Gleichzeitig lassen sie jedoch am meisten zweite Wurfchancen zu.

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Julian Rux

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🇬🇧 Julian is responsible for most of the content on this website. The Master of Science in Business Administration works - in addition to his main job as a controller - in a part-time job for the Handball Bundesliga (among other things as a columnist) and has also analysed data for Bundesliga clubs.

🇩🇪 Julian ist für den Großteil des Inhalts dieser Website verantwortlich. Der Master of Science der Betriebswirtschaftslehre arbeitet - neben seinem Hauptjob als Controller - im Nebenjob für die Handball-Bundesliga (u.a. als Kolumnist) und hat auch für Bundesligisten Daten analysiert.

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