Ein genauer Blick in die Liga – Teil 5: Balingen-Weilstetten, Ludwigshafen, Essen und Coburg

Ein genauer Blick in die Liga – Teil 5: Balingen-Weilstetten, Ludwigshafen, Essen und Coburg

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  • Beitrag veröffentlicht:3. Februar 2021
  • Lesedauer:7 min Lesezeit

Bereits am Samstag, nicht einmal eine Woche nach dem WM-Finale, kehrt die HBL aus der Pause zurück. Als letzter Teil der „Advanced Stats“-Analysen zu allen zwanzig Mannschaften der besten Liga der Welt geht es deshalb mit den noch fehlenden Teams weiter. Die Teams im Fokus sind der HBW Balingen-Weilstetten, die Eulen Ludwigshafen, TUSEM Essen sowie der HSC 2000 Coburg.

Genau analysiert und seziert wurden bereits in Teil eins Magdeburg, Leipzig, Wetzlar und der Bergischen HC. Im zweiten Teil folgten Göppingen, Stuttgart, Lemgo sowie Hannover. Weiter ging es in ÜberZahl, unserer Kolumne auf der Homepage der HBL, mit Flensburg, die Rhein-Neckar Löwen, Kiel und Berlin. In Teil vier lag der Fokus auf Melsungen, Erlangen, Minden und Nordhorn-Lingen.

HBW Balingen-Weilstetten

Der HBW Balingen-Weilstetten zeigt an den beiden Enden des Spielfelds zwei komplett unterschiedliche Gesichter. Das hübsche Gesicht ist im Angriff zu sehen. Ihr Offensive Rating von 26,4 Toren pro 50 Ballbesitzen liegt zwar leicht unter dem Ligaschnitt von 27,1, doch ist mit Abstand das Beste der Teams im Abstiegskampf. 

Bei den drei Faktoren für die Qualität des Angriffs, der Wurfquote, den Ballverlusten und den zweiten Wurfchancen sind die Schwaben auch durchaus ordentlich unterwegs. Abpraller holen sie sich mit 4,0 pro 50 Angriffen sogar leicht überdurchschnittlich viele. Dafür sind mit 10,2 Ballverluste pro 50 Angriffen leicht unterdurchschnittlich. Die Wurfquote ist mit 60,2 % auf Platz 12 in der HBL.

Bei den Würfen ist besonders der hohe Anteil an Rückraumwürfen, der ineffizentesten Wurfposition, und der geringe Anteil an Abschlüssen aus sechs Metern auffällig. Einen großen Anteil daran hat Vladan Lipovina, der der wichtigste Spieler im Angriff der Schwaben ist. Nur drei Spieler werfen öfter aus dem Feld als der Montenegriner. 80,2 % seiner Abschlüsse kommen aus dem Rückraum. Die Wurfquote von 47,6 % ist jedoch verbesserungswürdig.

Kaum Verbesserungspotential gibt es bei den Außen. Sie haben einen sehr großen Anteil an der guten Offensive der Gallier von der Alb. Kein Team in der HBL trifft hochprozentiger von den Seiten des Spielfelds. Linksaußen Tim Nothdurft hat mit 84,6 % sogar die drittbeste gesamte Feldwurfquote aller HBL-Spieler mit über drei Würfen pro Spiel.

Auch von der Siebenmeterlinie sind die Außen sehr stark. Der HBW hat nicht nur die beste Siebenmeterquote der Liga, Oddur Gretarsson hat mit überragenden 88,6 % sogar die beste Siebenmeterquote aller Spieler mit über drei Versuchen pro Spiel. Noch ein kleines bisschen besser trifft Gregor Thomann (88,9 %) bei jedoch nur 0,6 Versuchen pro Spiel.

Das hässliche Gesicht der Balinger zeigt sich in der Verteidigung. Denn hier sind sie mit 30,0 Gegentoren pro 50 Angriffen das schlechteste Team der Liga. Sie lassen die mit 64,6 % zweithöchste gegnerische Wurfquote zu und erzwingen dazu am wenigsten Ballverluste (7,3 pro 50 Ballbesitze). Immerhin lassen sie nur durchschnittlich viele zweite Wurfchancen zu. Dass Abwehrchef Romas Kirveliavičius die Liga deutlich bei den Zeitstrafen pro Spiel anführt, ist ein zusätzlicher Faktor, der zu der instabilen Verteidigung beiträgt.

Eulen Ludwigshafen

Wie jede Saison befinden sich die Eulen Ludwigshafen mitten im Abstiegskampf und auch die Zahlen sehen sie wie immer genau dort. Und natürlich ist auch wie in den Vorjahren die grundlegende Spielidee von Trainer Ben Matschke dieselbe: Das Spiel möglichst langsam machen und so – auch wenn sie spielerisch meist unterlegen sind – zumindest aus mathematischer Sicht die Gewinnchancen optimieren. Entsprechend spielen sie mit lediglich 47,3 Angriffen pro Spiel wieder einmal den langsamsten Handball der Liga.

Im Angriff läuft es noch gar nicht rund für die Friesenheimer. Ihr Offensive Rating von 23,7 Toren pro 50 Angriffen ist das schlechteste der ganzen HBL. Auch bei den einzelnen Faktoren dafür sieht es – bis auf die zweiten Wurfchancen, wo sie sogar überdurchschnittlich viele generieren – nicht gut aus. Kein Team verliert den Ball so oft wie die Eulen (11,1 pro 50 Angriffe), während die Wurfquote mit 55,3 % die zweitschwächste der HBL ist. Auch der hohe Anteil an Rückraumwürfen trägt natürlich nicht zu einer guten Wurfquote bei.

Die Verteidigung steht immerhin ein wenig stabiler. Das Defensive Rating von 29,0 Gegentoren pro 50 Angriffe bedeutet Platz 17. Ihre zugelassene gegnerische Wurfquote liegt mit 63,0 % sogar nur auf Platz 14. Doch gleichzeitig erzwingen nur zwei Teams weniger als die 8,0 Ballverluste pro 50 Angriffe der Eulen. Dazu lassen sie auch noch überdurchschnittlich viele zweite Wurfchancen zu.

TUSEM Essen

Etwas besser als bei den Eulen sehen die Zahlen bei TUSEM Essen aus. Sie sind zwar in der Tabelle auf dem zweitletzten Platz, haben jedoch auch zwei Spiele weniger als die Teams vor ihnen. Im Vergleich zu den Eulen unterscheidet sich das Team von Jamal Naji stark im grundlegenden Spielstil. Denn keine andere Mannschaft der HBL generiert so viele Angriffe wie sein Team. 54,3 Angriffe sind genau 7 Angriffe pro Spiel mehr als bei den letztplatzierten Eulen.

Da die Spielgeschwindigkeit nicht zwingend Einfluss auf das Ergebnis hat und in einem einzelnen Spiel die Anzahl der Angriffe zwischen beiden Teams um maximal eins abweichen kann, beurteilen wir die Teams nach ihren Werten pro 50 Angriffen bzw. Ballbesitzen. So hat TUSEM Essen zwar 30,9 Gegentore kassiert und die Eulen 27,4, doch trotzdem stellen sie die bessere Verteidigung.

Denn auf den gleichen Nenner von 50 Ballbesitzen gerechnet kassieren sie lediglich 28,5 Gegentore. Im Ranking nach diesem Defensive Rating wären sie sogar knapp außerhalb der Abstiegszone. Nochmals einen Platz besser sind sie jeweils im Ranking nach zwei der Faktoren dafür, der gegnerischen Wurfquote (64,7 %) und den Ballverlusten (8,5 pro 50 Ballbesitze). Dazu lassen sie noch wenige zweite Wurfchancen zu.

Erwähnenswert ist auch Siebenmeterkiller Sebastian Bliß. Nur 59,3 % der Siebenmeter wurden verwandelt, wenn er im Tor stand. Kein anderer Torhüter der Liga kommt auf einen so guten Wert.

Das Offensive Rating von 24,8 Toren pro 50 Ballbesitzen ist das drittschlechteste der Liga. Sie werfen zwar an sich viele Tore, aber auch dies wird durch ihre vielen Angriffe beeinflusst. Bei den Faktoren dafür gibt es keine besonderen Auffälligkeiten. Die Wurfquote ist mit 58,7 % auf Platz 16, die Ballverluste sind mit 10,9 pro 50 Ballbesitze der höchstwert der HBL und auch die Anzahl der zweiten Wurfchancen ist nur unterdurchschnittlich.

Auffällig sind (zumindest aus Zahlensicht) besonders zwei Spieler: Tim Zechel holt am zweitmeisten Siebenmeter pro Spiel heraus (1,7). Noah Beyer ist mit 6,6 Toren pro Spiel der viertbeste Torschütze der Liga. Nach dem HPI ist er sogar der beste Linksaußen der Liga. Beim PlayerScore sind seine Werte etwas schwächer, da dort keine Siebenmeter berücksichtigt werden. Auch wenn natürlich die Werte der beiden Spieler durch die vielen Angriffe leicht begünstigt werden.

HSC 2000 Coburg

Der Klassenerhalt für den letztplatzierten HSC 2000 Coburg ist nicht unmöglich. Es gab schon verrückteres in der HBL. Aber der Weg dahin ist auf jeden Fall sehr schwierig. Ein nicht komplett negativer Punkt ist beispielsweise, dass es sowohl im Angriff als auch in der Abwehr je ein Team gibt, das schlechter ist.

In der Offensive erzielen sie 24,1 Tore pro 50 Ballbesitze. Verbesserungsbedarf gibt es dabei sowohl bei der Wurfquote (55,8 %), als auch bei den Ballverlusten (10,9 pro 50 Angriffe). Beides sind die drittschlechtesten Werte der Liga. Auch, dass nur durchschnittlich viele Zeitstrafen gegen sie verhängt werden können die Franken nicht ausnutzen. Immerhin schaffen sie es überdurchschnittlich viele zweite Wurfchancen zu generieren.

Ein großes Problem im Angriff ist auch, dass sie das Team mit der mit Abstand schwächsten Siebenmeterquote (62,7 %) der Liga sind. Die beiden Hauptschützen Milos Grozdanic und Florian Billek sind mit 66,7 % bzw. 64,3 % auf den letzten beiden Plätzen unter allen 22 HBL-Spielern mit mindestens 1,5 Strafwürfen pro Spiel.

Am anderen Ende des Spielfelds kassieren sie 29,6 Gegentore pro 50 gegnerische Ballbesitze. Auch hier sind der einzige Lichtblick die wenig zugelassenen zweiten Wurfchancen. Dies hängt aber natürlich auch damit zusammen, dass es auch nur wenige Chancen dafür gibt. Denn die gegnerische Wurfquote mit 64,5 % liegt nur 0,2 Prozentpunkte unter dem schlechtesten Wert der Liga. Mit 7,3 erzwungenen Ballverlusten pro 50 Angriffen liegen sie auch hier ganz am Ende des Rankings.

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Julian Rux

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🇬🇧 Julian is responsible for most of the content on this website. The Master of Science in Business Administration works - in addition to his main job as a controller - in a part-time job for the Handball Bundesliga (among other things as a columnist) and has also analysed data for Bundesliga clubs.

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