Was erwartet uns beim Super Cup? Eine Vorschau auf Kiel gegen Flensburg

Was erwartet uns beim Super Cup? Eine Vorschau auf Kiel gegen Flensburg

  • Beitrag veröffentlicht:24. September 2020

Am Samstag ist es endlich so weit. Nach über einem halben Jahr Zwangspause kehrt die HBL zurück. Wie es seit Jahren Tradition ist, wird die Saison mit dem Super Cup eröffnet. Dabei trifft, wie schon im vergangenen Jahr, der THW Kiel auf die SG Flensburg-Handewitt. Allerdings gehen dieses Mal die Zebras als amtierender Meister in die Partie. Grund genug schon im Voraus einen Blick auf das Spiel zu werfen.

Die besten Teams der vergangenen Saison

Anhand von Daten kann nicht nur die Vergangenheit betrachtet werden, sondern es kann auch die Zukunft prognostiziert werden. Wirkliche Prognosemodelle für den Handball können an dieser Stelle leider noch nicht präsentiert werden. Doch anhand der bisher vorgestellten Kennzahlen, kann zumindest auf Teile des Spiels geblickt werden.

SG Flensburg-Handewitt - THW Kiel | Highlights - Pixum Super Cup 2019

Mit Kiel und Flensburg stehen die beiden eindeutig besten Mannschaften der letzten Spielzeit im Super Cup. Nicht nur nach der Tabelle, sondern auch nach dem Net Rating. Danach war Kiel die eindeutig beste Mannschaft (5,2) der Liga und Flensburg die klar zweitbeste (3,4).

Beide gehörten an beiden Enden des Felds zu den besten Teams der Liga. Kiel war die beste Offensivmannschaft mit einem Offensive Rating von 30,9. So gut war in den vergangenen drei Spielzeiten kein anderes Team. Mit Neuzugang Sander Sagosen haben sie noch einmal an Qualität im Angriff gewonnen, auch wenn mit Nikola Bilyk der Kieler mit den meisten Feldtoren pro Spiel in der vergangenen Saison (3,4) lange ausfällt. Flensburg war beim Offensive Rating etwas schwächer als der THW Kiel, aber trotzdem noch auf einem sehr guten Niveau (28,9).

In der Defensive war Flensburg in der vergangenen Saison das Nonplusultra. Ihr Defensive Rating war mit 25,5 das Beste der Liga. Aufgrund der Verletzungen von Johannes Golla und Jacob Heinl, dürfte die Defensive aktuell jedoch nicht konstant auf diesem Niveau agieren können. Der THW Kiel war in der vergangenen Saison defensiv nur marginal schwächer als Flensburg (25,7). Doch mit dem Ausfall von Torhüter Niklas Landin fehlt auch bei ihnen ein essentieller Teil ihrer Verteidigung. Im ersten Champions-League-Spiel gegen Zagreb präsentierte sich die Defensive des Meisters trotzdem auch mit Dario Quenstedt im Tor in Top-Form. Wobei Zagreb natürlich nicht das Niveau Flensburgs hat.

Wenig Angriffe, selten zusätzlicher Feldspieler

Bei der Spielgeschwindigkeit waren beide Teams unterdurchschnittlich. Kiel war mit 48,5 Angriffen pro Spiel nur das elftschnellste Team der Liga. Flensburg sogar das zweitlangsamste (46,7). Auch die Anzahl der Angriffe bei den beiden Aufeinandertreffen von Kiel und Flensburg in der vergangenen Saison (Super Cup und HBL) waren genau zwischen diesen beiden Werten. Das dürfte uns also auch am Samstag erwarten.

Der Grund für die wenigen Angriffe war bei Kiel jedoch ein anderer als bei Flensburg. Die Zebras schlossen selbst schnell ab, ihre Gegner brauchten jedoch sehr lange für einen Abschluss. Die SG brauchte selbst lange für einen eigenen Abschluss, während ihre Gegner ebenfalls lange für einen Abschluss benötigten.

Als kleine Vorschau auf einen der nächsten hier erscheinenden Artikel blicken wir noch auf die Nutzung des zusätzlichen Feldspielers für den Torwart. Beide Teams nutzten diese taktische Option in der Saison 2019/20 nur selten, gegen sie wurde sie jedoch häufig eingesetzt. Auch die Art der Nutzung unterscheidet sich. Flensburg nutzte praktisch nie das „Sieben gegen Sechs“, lediglich 3,3 % aller Einsätze des zusätzlichen Feldspielers waren als siebter Mann. Stattdessen bevorzugte es Maik Machulla – wenn er darauf zurückgriff – eine Unterzahl auszugleichen.

THW Kiel - SG Flensburg-Handewitt | Highlights - LIQUI MOLY Handball-Bundesliga 2019/20

Bei Kiel war der Anteil des „Sieben gegen Sechs“ mit 24,8 % deutlich überdurchschnittlich. Beim einzigen HBL-Aufeinandertreffen der beiden Teams in der vergangenen Saison nutzte Kiel den zusätzlichen Feldspieler lediglich zweimal in eigener Unterzahl. Die Flensburger hingegen, die früh in Rückstand gerieten, nahmen dreizehn Mal den Torhüter vom Feld. Meist jedoch in Unterzahl, das „Sieben gegen Sechs“ nutzten sie nur einmal.

Die Würfe

In der HBL gibt es aktuell den Trend, dass immer weniger ineffiziente Rückraumwürfe und Würfe innerhalb des Neun-Meter-Raums genommen werden. Die SG Flensburg-Handewitt ist hier auch seit Jahren ganz vorne mit dabei. In der vergangenen Saison waren nur 44,4 % ihrer Würfe solche. Dies ist der drittniedrigste Wert der Liga. Beim THW Kiel war der Anteil bei 50,2 %, was über dem Durchschnitt der Liga war. Neuzugang Sagosen warf im ersten Champions-League-Spiel auch direkt fünf seiner sieben Tore aus dem Rückraum, bei nur einem Fehlwurf.

Besonders auffällig ist bei den beiden Teams auch der Anteil an Würfen von außen. Lediglich 8,8 % der Würfe der Zebras kamen von dort. Filip Jicha nutzte seine Außen stattdessen mehr als Einläufer. Beim Vizemeister war das Gegenteil der Fall. 14,7 % ihrer Würfe kamen von außen, der vierthöchste Wert der Liga. Ähnlich sieht es auch bei den Durchbrüchen aus.

Die Wurfquote aus dem Rückraum war bei den Kielern hingegen sehr stark. Dies ist einer der Gründe, warum sie auch bei der Wurfeffizienz das beste Team der Liga waren. 7,0 % mehr Tore als erwartete Tore warfen die Zebras. Flensburg war hier nur durchschnittlich, aber trotzdem positiv mit 1,8 %.

Ein weiterer Grund für die hohe Wurfeffizienz, der auch wieder für Samstag relevant werden könnte, ist die Siebenmeter-Wurfquote. Denn im vergangenen Jahr ging das Spiel ins Siebenmeter-Werfen. Am Ende setzte sich mit Flensburg das Team durch, das in der vergangenen Saison seine Strafwürfe deutlich ineffizienter traf. So effizient wie Kiel traf sogar kein anderes Team.

Die überragende Quote Kiels kommt aus einem Grund zustande: Niclas Ekberg. Rund 90 % aller Siebenmeter des Meisters warf der Schwede und verwandelte überragende 86,7 %. Für ein Siebenmeterwerfen ist die Qualität eines Spielers jedoch nicht ausreichend. Seine Vertreter kamen nicht annähernd an diese Quote. Flensburg wechselte in der vergangenen Saison viel häufiger die Werfer, wirklich sicher war allerdings nur Jim Gottfridsson mit 19 Treffern bei 20 Versuchen.

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Kiel ist der Favorit im Super Cup

Durch die Verletzungen von Schlüsselspielern auf beiden Seiten, sind beide Mannschaften aktuell nicht in absoluter Top-Form. Trotzdem besitzen beide Teams noch sehr viel Qualität und haben mit starken Spielen in der Champions League schon gezeigt zu welchen Leistungen sie in der Lage sind. Favorit für den Super Cup ist eigentlich – auch bei den Buchmachern – der THW Kiel. Sie sind zwar etwas eingespielter, haben mittlerweile jedoch ähnliche Verletzungsprobleme wie der Rivale. Flensburg zeigte hingegen mit überragenden Champions-League-Spielen, dass sie sich auf keinen Fall vor dem Rekordmeister verstecken müssen.

Deshalb erwartet uns mit Sicherheit wie im vergangenen Jahr ein spannender, hochklassiger Super Cup. Ob das, was aus den Zahlen zu erwarten war, auch eingetroffen ist, wird nach dem Spiel an dieser Stelle betrachtet. Da es sich nur um ein einzelnes Spiel handelt, kann es natürlich gut sein, dass einiges etwas anders sein wird. Genau das wird dann genau analysiert werden.

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