Ein genauer Blick in die Liga – Teil 1: Magdeburg, Leipzig, Wetzlar und der BHC

Ein genauer Blick in die Liga – Teil 1: Magdeburg, Leipzig, Wetzlar und der BHC

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  • Beitrag veröffentlicht:6. Januar 2021
  • Lesedauer:6 min Lesezeit

Die HBL befindet sich in der WM-Pause, beste Zeit also einen genauen Blick auf alle Teams der Liga zu werfen. Der Reihe nach werden hier alle zwanzig Teams anhand der wichtigsten „Advanced Stats“ betrachtet und analysiert. Den Anfang macht das obere Mittelfeld der Tabelle mit dem SC Magdeburg, dem SC DHfK Leipzig, der HSG Wetzlar sowie dem Bergischen HC.

SC Magdeburg

Mit 11:1 Punkten im Dezember konnte der SC Magdeburg nach einem nicht ganz optimalen Saisonstart wieder mehr zur Spitze der Liga aufschließen. Auch ihre Zahlen sind wieder die eines Top-Teams. Das Offensive Rating liegt aktuell bei 29,4 Toren pro Ballbesitz, womit sie die drittbeste Offensive der Liga stellen. Nur Kiel und Flensburg sind noch besser. Der SCM hat die zweitbeste Wurfquote der HBL und wenige Ballverluste, allerdings auch am wenigsten zweiten Wurfchancen.

Bei den Angriffen pro Spiel, auch Pace genannt, waren die Sachsen-Anhaltiner in den letzten Spielzeiten immer an der Spitze der Liga zu finden. Aktuell haben hier noch fünf Teams einen höheren Wert. Bei den Würfen ist jedoch wieder der klassische Magdeburger Stil zu sehen: Kein Team wirft so wenig aus dem Rückraum (nur 20,7 %). Stattdessen suchen sie viele Würfe aus sechs Metern, über die Außen (1. in der HBL) und holen viele Siebenmeter heraus.

Größtes Thema in Bezug auf den Angriff der Sachsen-Anhaltiner ist natürlich, dass der Rückraumshooter Michael Damgaard mittlerweile gar nicht mehr spielt. Zu Beginn der Saison war er noch bester Torschütze des Teams, mittlerweile haben ihn Christian O’Sullivan und auch Gisli Kristjansson im linken Rückraum verdrängt. Nicht nur weil ihre Wurfquote deutlich besser ist.

Dreh- und Angelpunkt der starken Offensive des SCM ist Marko Bezjak. Der Slowene ist mit 3,7 Assists pro Spiel der viertbeste Vorlagengeber der HBL. Besonders stark ist auch seine Feldwurfquote (Wurfquote ohne Siebenmeter). Mit 81,3 % hat er unter allen Rückraumspielern der HBL mit mindestens drei Würfen pro Spiel die mit Abstand beste Quote. Dies spiegelt sich auch im PlayerScore wider. Mit 14,7 hat er dort den zweitbesten Wert, knapp hinter Jim Gottfridsson und mit großem Abstand auf Platz drei.

Auch in der Abwehr gehört der SCM zu den Top-Teams. Das Defensive Rating von 25,7 Gegentoren pro Ballbesitz ist das Viertbeste der Liga. Keine andere Mannschaft der HBL erzwingt so viele Ballverluste wie das Team von Bennett Wiegert. Auch die zweitwenigsten Zeitstrafen der Liga sind hierbei natürlich von Vorteil. Die gegnerische Wurfquote hingegen ist mit 62,3 % sogar etwas höher als der Ligadurchschnitt. Hier spielen auch die verbesserungswürdigen Torhüterleistungen eine große Rolle, wobei zumindest Jannick Green sich im Lauf der Saison verbessert hat.

SC DHfK Leipzig

Die beste Abwehr der Liga hat kein Team an der Tabellenspitze, sondern der SC DHfK Leipzig. Lediglich 24,9 Gegentore pro 50 Angriffe lassen die Sachsen zu. Zwei der Gründe dafür sind die Torhüter Kristian Sæverås und Joel Birlehm. Mit 34,2 % und 33,6 % parierten Würfen aus dem Feld sind sie auf Platz drei bzw. fünf aller Torhüter der HBL.

Aber auch die Feldspieler liefern in der Defensive Spitzenwerte ab. Angeführt von Marko Mamic, der mit 1,3 Blocks und 0,7 Steals pro Spiel zwei bzw. vier der Liga liegt. Auch Patrick Wiesmach (der mit 8,1 auch den drittbesten PlayerScore aller Rechtsaußen hat) und Maciej Gębala gehören zu den sechs besten Balldieben der Liga. Insgesamt verursacht lediglich der SC Magdeburg noch mehr gegnerische Ballverluste. Neben den Spielern ist bei der Abwehr natürlich auch Trainer André Haber zu nennen. Die innovativen Abwehrformationen, besonders die Mann-gegen-Mann-Verteidigung in Überzahl, waren sehr effektiv.

Im Angriff läuft es hingegen alles andere als optimal. 25,6 Tore pro 50 Ballbesitze reichen nur für Platz 15. Auch hier sind wieder die Ballverluste ein Hauptgrund, denn nur die Eulen Ludwigshafen verlieren öfter den Ball im Angriff. Ein weiterer Grund ist die sehr schwache Wurfquote aus dem Rückraum. Lediglich 34,4 % der Würfe treffen sie von dort, während immerhin 28,4 % ihrer Würfe von dort kommen. Dies ist der schlechteste Wert der ganzen HBL.

HSG Wetzlar

Bei der HSG Wetzlar ist eher das Gegenteil von Leipzig der Fall. Ihr Angriff ist mit einem Offensive Rating von 29,1 Toren pro 50 Ballbesitzen das viertbeste der Liga. Angeführt von Stefan Cavor, der mit 4,9 Feldtoren pro Spiel der viertbeste Feldtorschütze der Liga ist, läuft es für die Hessen in der Offensive wirklich rund. Unterstützung bekommt er unter anderem von Anton Lindskog, der die siebtbeste Feldwurfquote der Liga hat und mit 8,3 den drittbesten Playerscore aller Kreisläufer.

Die HSG hat zwar viele Ballverluste und am zweitwenigsten zweite Wurfchancen. Die offensive Philosophie von Kai Wandschneider beruht jedoch auf einer effizienten Wurfauswahl, die zur besten gesamten Wurfquote der Liga (68,7%) führt. Wetzlar ist das Team mit dem zweitniedrigsten Anteil an Würfen aus dem Rückraum, obwohl sie diese so effizient wie kein anderes Team treffen. Doch trotzdem ist dies der Wurfort mit der deutlich niedrigsten Wurfquote. Bei den deutlich effizienteren Wurfpositionen bzw. -arten ist der Anteil der HSG immer überdurchschnittlich.

Die Verteidigung ist hingegen mit einem Defensive Rating von 27,3 Gegentore pro 50 Angriffe nur durchschnittlich. Trotz wenigen Zeitstrafen sind sie bei allen relevanten Werten (Wurfquote, gegnerische Ballverluste und zugelassene zweite Wurfchancen) nur knapp über oder unter dem Ligaschnitt.

Bergischer HC

Während Leipzig und Wetzlar je in der Abwehr beziehungsweise dem Angriff ihre Stärken haben, ist der Bergische HC an beiden Enden des Felds sehr solide, aber eben auch von der Ligaspitze entfernt. In der Defensive liegt der BHC mit 26,4 Toren pro 50 Angriffe auf Platz sieben. Auch bei allen einzelnen Faktoren dafür, der Wurfquote (Platz 6), den erwzungenen Ballverlusten (Platz 11) sowie den zugelassenen zweiten Wurfchancen (Platz 8) sind sie ordentlich unterwegs. Aber eben ohne Ausreißer nach oben.

Im Angriff liegen die Löwen mit 26,4 Toren pro 50 Angriffen auf Platz sieben. Auch hier gibt es bei den Faktoren dafür keine großen Auffälligkeiten oder Ausreißer. Die Wurfquote ist die Neuntbeste der Liga, bei den Ballverlusten befinden sie sich auf Platz sieben, bei den zweiten Wurfchancen auf Platz fünf.

Beim Spielstil ist auffällig, dass sie mit einem Anteil von 41,2 % ligaweit die drittmeisten Würfe aus dem Rückraum nehmen. Diese treffen sie auch vergleichsweise gut (48,4 %), lediglich die HSG Wetzlar ist hier noch besser. Doch trotzdem bleibt der Rückraumwurf der ineffizienteste Wurf im Handball. Aus allen Wurfpositionen und -arten haben sie höhere Trefferquoten. Eine bessere Wurfauswahl könnte also zu einer noch besseren Offensive führen.

Ein interessanter Fall hierbei ist Linus Arnesson. Der beste Torschütze des Teams (4,0 Tore pro Spiel) und nach dem PlayerScore drittbeste Spieler aus dem linken Rückraum der HBL, trifft aus sogar neun Metern besser (63,4 %) als aus sechs (54,5 %). Beim ganzen Team sieht das natürlich deutlich anders aus.

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Julian Rux

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